Die Watergate - Affäre
RICHARD MILHOUS NIXON / geb. am 9. Januar 1913 in Kalifornien
1937 Jurastudium an der Duke University
1953 - 1961 Vizepräsident unter Eisenhower
1968 Wahl zum Präsidenten
SCHWERER VERDACHT
Innerhalb von 24 Stunden brachten die Reporter in Erfahrung, dass McCord Mitglied des "Komitees zur Wiederwahl des Präsidenten" (CREEP) war. Dies wurde von John Mitchell geleitet, dem ehemaligen US-Justizminister und einem engen Freund Nixons. Die Verbindung zwischen McCord und dem Komitee sowie der Gedanke, dass das Weiße Haus an dieser Einbruchsaffäre beteiligt sein könnte, ließen Woodward und Bernstein fortan keine ruhige Minute mehr.
Da die beiden Reporter bei ihren Ermittlungen auf erhebliche Widerstände stießen, dachten sie sich geschickte Hinhaltetaktiken aus. Sie wussten relativ schnell, dass das FBI -das die Ermittlungen im Fall des Watergate-Einbruchs offiziell leitete- alles tat, um die Sache zu verschleiern. Sie brachten zudem in Erfahrung, dass auch die CIA ihre Hände im Spiel hatte und hinter den Kulissen darauf hinarbeitete, die Ermittlungen zu behindern.
HOCHGRADIGE KONTAKTE
Glücklicherweise hatte Woodward Verbindungen zu einem Informanten auf höchster Regierungsebene, der den Codenamen "Deep Throat" trug. Dessen Mitteilungen, die direkt aus Nixons engstem Umfeld zu stammen schienen, waren für die Reporter von unschätzbarem Wert, wurden in der Presse jedoch niemals direkt erwähnt.
Man hatte vereinbart, dass die mysteriöse Quelle Woodward mit Hinweisen und anderen "Hintergrundinformationen" versorgen würde, die es dem Reporterteam ermöglichen würde, sich weitere Informationskanäle zu erschließen. Diese konnten dann veröffentlicht werden, ohne die Identität von "Deep Throat" preiszugeben. Diese Taktik funktionierte so gut, dass bis heute nicht geklärt ist, wer dieser Informant war, obwohl es natürlich einige Spekulationen gibt. Die oft stundenlangen Treffen mit "Deep Throat" fanden meistens gegen 2 Uhr nachts in einer öffentlichen Tiefgarage statt. Auf ein verabredetes Zeichen hin gab man sich gegenseitig zu erkennen. Da der Informant Woodward einschärfte unbedingt darauf zu achten, dass ihm niemand folgen konnte, wechselte der Reporter jedes Mal, wenn er zum vereinbarten Treffpunkt kam, mehrmals das Taxi.
Mithilfe der von "Deep Throat" gelieferten Informationen konnte das Reporterteam der Watergate-Geldspur folgen. Die 100-US-Dollarscheine, die man in den Brieftaschen der Einbrecher gefunden hatte, gehörten zu einem riesigen Bestechungsfond aus illegalen Wahlkampfspenden, die für diverse Machenschaften verwendet wurden. Diese Spur führte die beiden schließlich zu Herbert Kalmbach, dem persönlichen Anwalt Präsident Nixons. Kalmbach war gewissen Leuten politisch gefällig und kassierte dafür illegale Wahlkampfspenden zugunsten von Richard Nixons Wiederwahl.
Die beiden Reporter der Washington-Post brachten in Erfahrung, dass es im Weißen Haus eine geheime Gruppe mit der Bezeichnung "Plumbers" (engl. "Klempner") gab, deren einzige Aufgabe darin bestand, undichte Stellen innerhalb der Verwaltung zu stopfen. Die Mitarbeiter dieser Gruppe führten jedoch auch diverse illegale Operationen durch, darunter auch Einbrüche.
Der Chef der "Plumbers" war E. Howard Hunt, der bei der CIA-Karriere gemacht hatte und sich ebenfalls tatkräftig für Nixons Wiederwahl einsetzte. Die Reporter befassten sich mit ihm und seinen Verbindungen und hielten bald den nahezu endgültigen Beweis dafür in den Händen, dass das Weiße Haus selbst in den Watergate-Einbruch und noch weitere Verbrechen verwickelt war.
Der Durchbruch kam, als Woodward und Bernstein illegalen Geldspenden an CREEP auf die Spur kamen und nachweisen konnten, dass ein Teil davon dafür verwendet worden war, um McCord und seine Komplizen nach deren Verhaftung zum Schweigen zu bringen. Der Befehl zur Abzweigung dieser Gelder war aus dem Weißen Haus ergangen. Damit führte die Spur des Verbrechens direkt in die höchsten Regierungskreise. 1973 veröffentlichte die Presse tagtäglich neue peinliche Enthüllungen und das Ansehen des Weißen Hauses sank auf den Nullpunkt. Der schützende Kreis um Nixon bröckelte langsam aber sicher auseinander. Der Watergate-Skandal führte zu einer innenpolitischen Krise von nie gekanntem Ausmaß.
RISSE IN DER FASSADE
Nixons Anwalt, John W. Dean III., verließ das sinkende Schiff als Erster. Er war tief in die Verschleierung und die Schmiergeldzahlungen an die "Plumber"-Gruppe verstrickt und befürchtete, dass die Presse ihn buchstäblich zerreißen würde. Er wollte nicht in die Rolle des Sündenbocks gedrängt werden und stellte sich den Watergate-Untersuchungskomitees als Kronzeuge zur Verfügung. Dieses Komitee bestand aus mehreren Senatoren, die im Namen des Kongresses den einzelnen Korruptionsanklagen nachgingen.
Aber das Schlimmste stand noch bevor. Es stellte sich heraus, dass der FBI-Direktor Patrick Gray einige heikle Dokumente vernichtet hatte, die aus E Howard Hunts Safe im Weißen Haus stammten. Darunter befand sich unter anderem ein Telegramm des Außenministeriums, das von Hunt gefälscht worden war und den Eindruck erwecken sollte, Präsident Kennedy sei 1963 in die Ermordung des südvietnamesischen Präsidenten NGO Dinh Diem verwickelt gewesen. In einer anderen Akte fanden sich verleumderische Informationen über JFK's noch lebenden Bruder Senator Edward Kennedy.
John Dean teilte dem stellvertretenden Justizminister Henry Peterson mit, dass er an einem Treffen mit Gray und John Erlichman, dem "Assistenten des Präsidenten in nationalen Fragen" und drittmächtigsten Mann im Weißen Haus, teilgenommen hatte. Dort wurde Gray darüber informiert, dass diese Akten "politisches Dynamit" seien und "niemals ans Tageslicht kommen" dürfen. Die Nachricht, dass der höchste Justizbeamte der Vereinigten Staaten Beweismaterial vernichtet hatte, erschütterte Washington zutiefst.
GEHEIME TONBÄNDER
Aber damit war diese Affäre immer noch nicht ausgestanden. Alexander P. Butterflied, ein enger Beamter von Haldemann, gab bekannt, dass Nixon alle Gespräche im "Oval Office" heimlich aufnehmen lasse, um diese Tondokumente später für seine Memoiren zu verwenden. Als das Komitee Nixon zur Herausgabe dieses Beweismaterials aufforderte, entspann sich ein langwieriger verfassungsrechtlicher Streit.
Als das Watergate-Untersuchungskomitee die Bänder schließlich beschlagnahmte, stellten Experten rasch fest, dass die wichtigsten Aufnahmen - vermutlich von Nixon selbst - gelöscht, bzw. so verändert worden waren, dass ihr Inhalt nicht mehr deutlich zu hören war. Als diese Nachricht die Öffentlichkeit erreichte, überstürzten sich die Ereignisse geradezu. Um einem Amtsenthebungsverfahren und einer öffentlichen Verhaftung zuvorzukommen, verkündete Nixon 1974 notgedrungen seinen Rücktritt.
NEUE THEORIE
So weit die historisch anerkannten Fakten über die spektakuläre Watergate-Affäre.
Ein Buch, das zwanzig Jahre später erschien, warf jedoch ein völlig neues Licht auf diesen politischen Skandal. Len Colodny und Robert Gettin, die Autoren von Silent Coup, behaupteten, dass das Pentagon eigene Spione ins Weiße Haus eingeschleust habe, da das Verteidigungsministerium Nixons Außenpolitik missbilligt habe. Die Spione hatten den Auftrag "TOP SECRET-Dokumente" zu entwenden, um damit politische Entscheidungen zu vereiteln. Wäre dem wirklich so gewesen, wäre Nixon selbst das Opfer einer Verschwörung gewesen.
Die beiden Autoren enthüllten weiterhin, dass Bob Woodward, der frühere Einsatzbesprechungen im Pentagon geleitet hat, über eine hohe "Security Clearance" (die Berechtigung Geheimdokumente zu empfangen, bzw. einzusehen) verfügte und als junger NAVY-Leutnant General Alexander Haig mehrmals Instruktionen überbracht hatte. Woodward bestritt dies, doch Admiral Thomas Moorer, ehemaliger Stabschef im Pentagon, hat diese Behauptung öffentlich bestätigt. Woodward war, nachdem er die Marine verlassen hatte, für die Washington-Post tätig gewesen, wo er durch seine Watergate-Recherchen berühmt wurde.
Der Schlüssel zu Woodwards Erfolg war der geheimnisvolle Informant "Deep Throat". Dieser wollte ausschließlich mit Woodward sprechen, der die Identität seines Informanten selbst vor seinen höchsten Vorgesetzten geheim hielt. Nicht einmal Carl Bernstein wusste Bescheid. Die Autoren von Silent Coup gehen davon aus, dass es sich bei "Deep Throat" um Alexander Haig handelte, der in Nixons außenpolitischen Strategien eingeweiht war und an den Geheimverhandlungen teilgenommen hatte, in denen Nixon eine Annäherung an China plante.
Es waren ebendiese Chinapolitik und Nixons Bestreben die US-Soldaten aus Vietnam abzuziehen sowie auch sein Engagement für das SALT-Abkommen (Abkommen zur Begrenzung strategischer Waffen) mit den Sowjets, das dem Pentagon ein Dorn im Auge war. Mittels eingeschleuster Spione, so die Autoren, konnte man sich über Nixons Vorhaben auf dem Laufenden halten, gezielte Informationen an die Presse durchsickern lassen und damit die Pläne des Präsidenten im Keim ersticken.
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Fünf Monate vor seinem überwältigenden Wahlsieg im November 1972 wurde Richard Nixon von Bob Woodward und Carl Bernstein - zwei Reportern der Washington-Post - vorgeworfen, er gehe mit "schmutzigen Tricks" auf Stimmenfang. Diese Pressekampagne begann im Juni nach einem missglückten Einbruch. Einem Wachmann des Washingtoner Watergate-Gebäudes, in dem sich das Wahlhauptquartier der Demokraten - Nixons Gegnern - befand, war ein Klebeband über einem Türschloss aufgefallen. Offenbar hatte sich jemand unbemerkt Zugang verschaffen wollen.
Der Wachmann benachrichtigte die Polizei, die daraufhin in dem Gebäude fünf Männer verhaftete, die Geschäftsanzüge und dünne Gummihandschuhe trugen. Außerdem waren sie mit zwei 35-mm-Kameras, 40 unentwickelten Filmrollen, einem Dietrich, einem Walkie-Talkie, Tränengas sowie elektronischen Abhörgeräten ausgerüstet. Darüber hinaus entdeckte man bei einem der Fünf ein Bündel 100-US-Dollar-Banknoten mit aufeinanderfolgenden Seriennummern.
Als die Männer am nächsten Morgen dem Haftrichter vorgeführt wurden, lehnte dieser eine Freilassung auf Kaution kategorisch ab. Obwohl sie falsche Namen angegeben hatten, konnten die Männer rasch identifiziert werden. Vier stammten aus Miami, Florida und bezeichneten sich als "professionelle Antikommunisten". Der Fünfte, ein gewisser James W. McCord jr., gab sich dem Richter gegenüber als ehemaliger Stabsoffizier des FBI aus. Woodward und Bernstein fanden heraus, dass auch die anderen vier "ehemalige FBI-Beamte" und darüber hinaus auch aktiver Mitglieder der von Miami ausgehenden Anti-Fidel- Castro- Bewegung waren.
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NIXON - EIN OPFER?
Es scheint, als sei heute die Zeit reif Nixons politischen Aufstieg und Dall neu zu überdenken.
War er wirklich so korrupt, wie er in den Geschichtsbüchern dargestellt wird - oder fiel er womöglich seinem politischem Hauptziel, der Beendigung des sinnlosen Rüstungswettlaufes, zum Opfer?
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