Eine
Frage vorweg: Wieso fehlen Teile des Markusevangeliums?
1958 wurde es von Smith in einem Kloster bei Jerusalem entdeckt. Der
Passus war auf Befehl Bischof Klemens von Alexandria entfernt worden.
Weiterführende Literatur zu diesem Thema, könnt Ihr am Ende dieser Seite finden.
Es würde momentan den Rahmen dieser Website sprengen, noch ausführlicher auf dieses interessante Thema einzugehen.
Einige Texte der Bibel widersprechen den Fakten, stimmen nicht, oder
werden verschieden wiedergegeben. Ich möchte hier einige der
Unstimmigkeiten aufzeigen.
Dies soll nicht heißen, dass ich die Religionen kritisiere oder sie in
Frage stellen möchte. Hier geht es lediglich um die Übersetzung und
Deutung bzw. früheren Bedeutung einiger Worte und Sachverhalte, welche
sich auch anders darstellen können.
Der "Messias"
Das Wort "Messias" hatte für die Zeitgenossen Jesu niemals eine
göttliche Bedeutung. Messias ist identisch mit dem griechischem Wort
christos (Christ) und heißt soviel wie "der Gesalbte".
Als David zur Krönung gesalbt wurde erhielt er automatisch ebenfalls
den Beinamen "Messias" oder "Christ". Jedes Mitglied des Hauses David
trug diesen "Titel".
Der Name "Messias" in der damaligen Zeit entbehrte alle göttlichen
Bezüge. Er galt in erster Linie als politischer Begriff.
"Jesus der Messias" oder "Jesus der Christ" wurde verfälscht in Jesus
Christus.
Die Kreuzigung
Jesus wird zunächst vom Sanhedrin -dem Hohen Rat- verurteilt, der ihn
zu Pilatus bringen lässt und den Prokurator beschwört sich gegen ihn
auszusprechen. Dies ist -historisch gesehen- blanker Unsinn.
In den drei synoptischen Evangelien (Matthäus, Markus und Lukas) wird
Jesus vor Passah verhaftet und vom Sanhedrin verurteilt. Aber ein
jüdisches Gesetzt sagt, dass während des Passah-Festes der Rat nicht
zusammtreten darf.
Nach den Evangelien war er auch nicht berechtigt Todesurteile zu
fällen. In Wirklichkeit hatte der Sanhedrin sehr wohl das Recht
Todesurteile zu verkünden (Steinigung). Es wäre also völlig unnötig
Pilatus zu bemühen, ihn zum Tode zu verurteilen.
Schuldabwälzung von den
Römern
Pilatus zögerte Jesus zu verurteilen und das Volk drängte ihn dazu.
Für Pilatus wäre es undenkbar gewesen, dem Volk nachzugeben, wenn er
selbst zweifelte. Er war ein totalitärer Herrscher.
Die Kreuzigung war auch ausschließlich den feinden des Römischen
Reiches vorbehalten, nicht aber den Feinden der Juden.
Somit war Jesus also ein Feind Roms, und nicht ein Feind der Juden, wie
es in den Evangelien steht.
Widersprüche in den
synoptischen Evangelien
Lukas (ca.
80 nach Christus)
Beschreibt Jesus als einen Abkömmling Davids, aber wenig hoher
Herkunft
Jesu Geburt: Er wird von Schäfern besucht und in einer Krippe
geboren
Jesu Familie lebt in Nazareth und kommt zur Volkszählung nach
Bethlehem
Jesus wird als "Lamm" charakterisiert, sanftmütig und gütig
Bei der Kreuzigung sagt Jesus: "Vater in Deine Hände lege ich meinen
Geist" LK 23,46
Ort der Kreuzigung: Golgatha (Nordwestl. v. Jerusalem, ein öder, mehr
oder weniger Schädelförmiger Hügel)
Barabbas: ein politischer Gefangener, ein Rebell, der des Mordes und
der Aufruhr angeklagt wird
Lukas war gezwungen die Schuld am Tod Jesu anderen als den Römern
anzulasten, da sich selber in der Römischen Hauptstadt Palästinas
aufhielt.
Matthäus
(ca. 85 nach Christus, bediente sich weitgehend bei Markus;
möglicherweise ist er der Zöllner von Kafarnaum)
Jesus ist von vornehmer Herkunft (Abstammung von David &
Salomon, rechtmäßiger König)
Jesu Geburt: Er wird von Königen besucht und kommt in einem Haus zur
Welt
Jesu Familie lebt schon lange in Bethlehem, erst nach ihrer Flucht nach
Ägypten lassen sie sich in Nazareth nieder
Jesus wird als imposante, mächtige Erscheinung charakterisiert: "...der
nicht gekommen ist um Frieden zu bringen, sondern das Schwert" MT
10,34
Die letzte Worte: "Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen."
MT 27,46
Kreuzigung fand einen Tag nach Passah statt
Ort der Kreuzigung: Golgatha (Nordwestl. v. Jerusalem, ein öder, mehr
oder weniger Schädelförmiger Hügel)
Barabbas: ein "besonderer" Gefangener
Markus (ca.
66-70 bis 132-135 nach Christus (zur Zeit der Aufstände),
stammt aus Jerusalem, aber in Rom verfasst)
Beschreibt Jesus als armen Zimmermann
Die letzte Worte: "Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen."
MK 15,34
Kreuzigung fand einen nach Passah statt
Ort der Kreuzigung: Golgatha (Nordwestl. v. Jerusalem, ein öder, mehr
oder weniger Schädelförmiger Hügel)
Barabbas: ein politischer Gefangener, ein Rebell, der des Mordes und
der Aufruhr angeklagt wird
In diesen Evangelien bestätigt Jesus aber selbst seine Königliche
Herkunft und seinen Anspruch auf den Thron:
Pilatus fragt ihn: "Bist Du der König der Juden?" Und Jesus antwortet
ihm: "Du sagst es." (Mk 15,2)
Johannes
Letzte Worte am Kreuz: "Es ist vollbracht" Joh 19,30
Kreuzigung einen Tag vor Passah
Ort der Kreuzigung: "An dem Ort, wo man ihn gekreuzigt hatte, war ein
Garten, und in dem Garten war ein neues Grab, in dem noch niemand
bestattet worden war." Joh 19,41
Barrabas: (griech.) Laestai (Joh 18,40) = Räuber oder Bandit,
historisch aber: Römer bezeichneten militant nationalistische
Revolutionäre als "Laestai"
Heute sind die Wissenschaftlicher einhellig der Ansicht, dass nur das
Johannesevangelium auf einem Augenzeugenbericht der Kreuzigung beruht.
Dort heißt es, dass die Füße Jesu am Kreuz festgemacht und seine Beine
nicht gebrochen worden seien. Demnach müsste er theoretisch noch zwei
bis drei Tage gelebt haben; dennoch wird er schon nach wenigen Stunden
für tot erklärt. Dem Markusevangelium zufolge zeigt sich selbst Pilatus
erstaunt über die Schnelligkeit, mit der der Tod eingetreten ist. (MK
15,44)
Was kann aber die schnelle Todesursache gewesen sein? Sicherlich nicht
die Lanze in seiner Seite, denn bei Johannes heißt es, dass Jesus schon
tot war, als ihm diese Wunde zugeführt wurde (Joh 19,33-34).
Es gibt nur eine Erklärung: Verschiedene Faktoren wie Erschöpfung,
Mattigkeit, genereller Schwächezustand und das Traume der Geißelung
sind hier zusammengetroffen. Diese Konstellation hätte aber nicht so
schnell zum Tode führen müssen. Im vierten Evangelium lesen wir, dass
die Soldaten Jesus schon die Beine brechen wollten, um seinen Tod zu
beschleunigen. Aber: Wozu die Mühe, wenn er doch eh schon beinahe tot
war?>br> Dem Evangelium zufolge stirbt Jesu in einem
Moment, der allzu günstig ist, um nicht gewählt zu wirken - nämlich
eben noch rechtzeitig, um zu verhindern, dass ihm die Beine gebrochen
werden.
Das opportune "Hinscheiden", das Jesus im letzten Moment vor dem
sicheren Tod bewahrt und gleichzeitig eine Prophezeiung erfüllt, wirkt
verdächtig. Die perfekte zeitliche Abstimmung kann kein reiner Zufall
sein. Wenn der betreffende Text nicht später eingefügt wurde, muss
tatsächlich ein sorgfältig ausgearbeiteter Plan vorgelegen haben,
worauf eine ganze Reihe von Indizien schließen lässt.
Getürkter Tod?
Im Johannesevangelium sagte Jesus am Kreuz: "Mich dürstet." (Joh 19,28)
Daraufhin wird ihm ein in Essig getauchter Schwamm gereicht, was
gemeinhin als weitere sadistische Verhöhnung gewertet wird. Aber was es
das wirklich? Essig wirkt, ähnlich wie Riechsalz, zeitweilig
stimulierend und wurde damals häufig zur Belebung erschöpfter
Galeerensklaven verwandt.
Auch verwundeten spendet der Geruch und Geschmack des Essigs
vorübergehend neue Energie. Bei Jesus zeigt er jedoch genau die
Gegenteilige Wirkung: Kaum hat er den Essig eingeatmet oder geschmeckt,
spricht er seine letzten Worte und gibt "seinen Geist auf". Diese
Reaktion ist physiologisch unerklärlich. Wohl aber wäre sie vereinbar
mit einem Schwamm, der nicht in Essig, sondern in ein Betäubungsmittel
getaucht wurde.
Opium oder Belladonna zum Beispiel, im nahen Osten damals viel
verwendet. Wozu ihm aber ein Schlafmittel verabreichen, wenn es nicht,
die alle anderen Komponenten der Kreuzigung, Teil einer komplexen und
klug ersonnenen List war - einer Strategie mit dem Ziel, einen
totenähnlichen Zustand herbeizuführen, während das Opfer in
Wirklichkeit am Leben blieb? Dieser Trick hätte Jesus nicht nur das
Leben gerettet, sondern die Prophezeiungen des Alten Testaments
erfüllt.
Die Freigabe des Leichnams
In der deutschen Übersetzung der Bibel sieht die Geschichte nach der
Kreuzigung recht einfach aus. Joseph von Arimathia bittet Pilatus um
den Leichnam Jesu, Pilatus wunder sich über den schnellen Tod, lässt
ihn von einem Hauptmann bestätigen und willig dann ein, Josef den Toten
zu überlassen.
Im griechischen Original sieht die Sache etwas komplizierter aus.
Joseph benutzt bei seiner Bitte das Wort soma, das überwiegend für
lebende Körper verwendet wurde. Pilatus gibt seinem ersuchen statt,
gebraucht aber dabei den Begriff ptoma, der ausschließlich "Leichnam"
bedeutet.
Wenn wir uns vor Augen halten, dass es verboten war, Gekreuzigte zu
bestatten, ist es wohl recht sonderbar, dass Joseph überhaupt eine
Leiche überlassen wird. Wieso eigentlich? Und welchen Anspruch soll er
ausgerechnet auf Jesu Leichnam erheben? Selbst wenn er ein heimlicher
Jünger war, kann er kaum ein Anrecht geltend machen, ohne sich selbst
zu verraten, es sei denn, Pilatus wusste ohnehin schon darüber
Bescheid. Möglicherweise sprach aber auch ein ganz anderer Aspekt zu
Josephs Gunsten.
Aus den Evangelien geht hervor, dass Joseph ein heimlicher Jünger Jesu
sowie sehr wohlhabend war und dem Hohen Rat angehörte. Vor allem aus
letzteren lasst sich schließen, dass er ein einflussreicher Mann war.
Darauf deuten auch seine Abmachungen mit Pilatus und die Tatsache hin,
dass er über einen Grundbesitz verfügte, auf dem sich sogar eine
Privatgruft befand.
Mittelalterliche Überlieferungen stellen Joseph von Arimathia als einen
Abkömmling aus dem Geschlecht Davids. Späteren Traditionen zufolge ist
Joseph blutsverwandt mit Jesu und dessen Familie. Wenn das stimmt,
ließe sich ein Anspruch auf den Leichnam unschwer rechtfertigen.
Pilatus, der den Toten wohl kaum einem Wildfremden überlassen hätte,
mag angesichts des Einfallsreichtums Josephs, dessen Verwandtschaft mit
Jesus uns -nicht zuletzt- einer ansehnlichen Bestechungssumme durchaus
ein Auge zugedrückt haben.
